Mustang Makeover Germany

Wie viele von euch wissen, habe ich mehrere Jahre an der Trainer Challenge des Mustang Makeover Germany teilgenommen.

2024 war für mich jedoch das letzte Jahr. 

 

Warum habe ich all die Jahre am Mustang Makeover Germany teilgenommen?


Schon als Kind habe ich mit Begeisterung Westernfilme geschaut und war stets berührt von der Magie der Wildpferde. Als ich 2017 beim ersten Mustang Makeover Germany erfuhr, dass über 40.000 Mustangs und Burros in Auffangstationen leben, nachdem sie aus der Wildbahn eingefangen wurden, war für mich klar: Das kann kein dauerhaft würdiges Leben für diese Tiere sein.


Pferde, die ein Leben lang selbstbestimmt mit ihrer Familie in freier Wildbahn gelebt haben, wurden von ihren Herden getrennt und leben nun – oft über Jahre – mit vielen fremden Tieren zusammen in Auffangstationen. Dort verbleiben sie, bis sie adoptiert werden, sich verletzen, krank werden oder versterben. Die Begründung für das Einfangen lautet, dass sich die Pferde so stark vermehrt hätten, dass die verfügbaren Flächen nicht mehr ausreichen und es zu Futter- und Wassermangel komme. Ob diese Begründung in jedem Fall gerechtfertigt ist, habe ich lange nicht hinterfragt.


Die Idee des Mustang Makeover, diesen Pferden eine neue Perspektive zu ermöglichen, hat mich sehr angesprochen. Ich bereue es nicht, den mir anvertrauten Pferden diese Chance gegeben zu haben. Gleichzeitig habe ich in all den Jahren aber auch Mustangs kennengelernt, die mit unserem Klima nicht gut zurechtkamen und Atemwegserkrankungen oder Ekzeme entwickelten. Andere litten – vermutlich auch aufgrund der vielen traumatischen Erlebnisse vom Einfangen bis zum langen Transport nach Deutschland – über lange Zeit an Magenproblemen oder tun dies noch immer.


Zudem kommt es nicht selten vor, dass Mustangs bereits in jungen Jahren Arthrose zeigen. Betrachtet man die Kämpfe und Belastungen, die viele dieser Pferde in ihrem bisherigen Leben erlebt haben, ist das leider nicht überraschend.


Ein weiterer Punkt, den ich von Beginn an kritisch gesehen habe, ist die Tatsache, dass man bei der Auktion nicht mitbestimmen kann, in wessen Hände das Pferd letztlich kommt. Ich selbst hatte all die Jahre Glück, und alle meine Pferde haben ein sehr gutes Zuhause gefunden. Dennoch kenne ich viele Fälle, in denen neben gesundheitlichen Themen auch erhebliche Herausforderungen im Umgang entstanden sind. Das wirft für mich die Frage auf, ob dieser Weg für jedes Pferd der richtige ist.


Auch das Event an sich wird häufig kritisch betrachtet. Hier kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass es sehr stark vom jeweiligen Pferd abhängt. Einige meiner Mustangs kamen mit der Kulisse gut zurecht und zeigten sich dort ähnlich entspannt wie im heimischen Umfeld. Andere wiederum waren deutlich gestresster und brauchten mehr Zeit, um damit umgehen zu können.


Im Jahr 2025 wurde ich schließlich auf Informationen aufmerksam gemacht, die darauf hindeuteten, dass die genannten Gründe für das Einfangen der Mustangs nicht die gesamte Wahrheit abbilden. Daraufhin begann ich, mich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.


Wie man auch hierzulande mitbekommt, ist die Anzahl der Rancher sowie deren Viehbestände in den USA deutlich gestiegen. Immer mehr Rinder und Schafe grasen in Gebieten, in denen auch Wildpferde leben. Es gibt Rancher, die mit den Mustangs gut koexistieren und ihnen sogar Wasser zur Verfügung stellen. Es gibt jedoch auch solche, die ihre Flächen einzäunen und den Pferden damit den Zugang zu Wasserstellen verwehren, die sie seit Generationen nutzen. Versuchen die Pferde dennoch, diese Wasserstellen zu erreichen, und durchbrechen dabei Zäune, werden sie häufig eingefangen.


Ein weiterer Aspekt ist eine Quote, nach der ein Mustang auf einer Fläche von etwa 404 Hektar leben soll, um die Vegetation nicht zu beeinträchtigen. Das entspricht ungefähr 400 Fußballfeldern für ein einziges Pferd – eine Zahl, die zumindest Fragen aufwirft.
Die sogenannten Roundups sollen dem Schutz der Mustangs dienen. Dennoch stellt sich für mich die Frage, warum dabei auch Pferde eingefangen werden, die in gutem Zustand sind, weder untergewichtig noch verletzt wirken. Ebenso bleibt unverständlich, warum diese Roundups teilweise so durchgeführt werden, dass die Pferde kilometerweit mit Helikoptern getrieben werden – und das teils mitten in der Fohlensaison.


Es gibt Herden von rund 200 Pferden, die erfolgreich gemanagt werden, indem die Vermehrung durch Unfruchtbarkeitsspritzen kontrolliert wird. In diesen Projekten konnte die Geburtenrate um bis zu 90 % gesenkt werden – ein Ansatz, der aus meiner Sicht zeigt, dass es auch andere wirksame Möglichkeiten gibt.


Die Roundups verursachen Kosten in Höhe von mehreren hunderttausend Dollar. Auch die Unterbringung der Pferde in Auffangstationen wird aus Steuergeldern finanziert. Vor diesem Hintergrund stellt sich mir die Frage, ob es nicht sinnvoller und kostengünstiger wäre, in besonders schwierigen Zeiten Futter und Wasser bereitzustellen und schwer verletzte oder kranke Tiere zu erlösen, anstatt gesunde Pferde einzufangen und sie während eines Roundups erheblichen Risiken auszusetzen.


Wenn man bedenkt, dass der Import eines Mustangs nach Deutschland mittlerweile über 10.000 Euro kostet, ließe sich mit einem Teil dieser Summe vor Ort möglicherweise sehr viel bewirken. Spenden könnten dazu beitragen, eingefangenen Pferden wieder ein möglichst selbstbestimmtes Leben in geeigneten Schutzgebieten zu ermöglichen.


Für mich stand immer das Wohl des Pferdes im Vordergrund, und lange hatte ich das Gefühl, dass dies auch für die Veranstalter galt. In den letzten Jahren hat sich dieses Gefühl jedoch zunehmend verändert, weshalb ich mich letztlich von dem Projekt distanziert habe.


Selbstverständlich stehe ich weiterhin allen zur Verfügung, die einen Mustang übernommen haben und Unterstützung benötigen. Meine Sicht auf das Thema der Rettung und des Umgangs mit Mustangs ist heute jedoch deutlich differenzierter und kritischer geworden.

 

Eine sehr gute Dokumentation findet ihr auf Amazon. "Free Spirit - Mustangs in Gefahr"